Noman Records

Unser Plattenlabel



Als Präsident der Noman-Gruppe sehe ich mich veranlasst, einige Worte über Entstehung, Entwicklung und Gegenwart des Plattenlabels Noman Records zu verlieren.

Angefangen hat alles im Winter 1990, als Thomas Mölch (vom Hardcore-Label "Off the disk"-Records) und ich beschlossen, einen Vertrieb für Hardcore- und Punksingles ins Leben zu rufen. Da uns aber gerade kein gescheiter Name in den Sinn kam, tauften wir den Vertrieb originellerweise "No Name".

"No Name" machte sich in der Folge trotz seines Namens einen Namen, und zwar als gute Adresse für kleines, rundes Hardcore-Vinyl aus der ganzen Welt. So hatten wir beispielsweise die ersten Green Day-Singles im Angebot, die jedoch niemand wollte, weil sie niemand kannte und auch niemand gut fand. Wir brachten aber auch Bands aus Polen, Japan oder gar Singapur unters Volk, und zwischendurch kauften wir von Szenen-Abtrünnigen auch schon mal die ganze Sammlung auf, um sie dann unsern Kundinnen und Kunden weiter zu verscherbeln. So entstand ein lebhafter Betrieb, der im Herbst 1991 mit einer gesunden Handelsbilanz seinen Sitz von Stans nach Zürich verlegte.

Man traf sich spät in einer Bar
Ein Jahr zuvor hatte ich die erfreuliche Bekanntschaft einer Band namens "Jolly and the Flytrap" gemacht, als sie am selben Nidwaldner Open Air auftrat wie die Hardcore-Band "Profax", in der ich damals sang. Angetan von der Musik und der Trink- und Tanzfestigkeit der Engelberger machte ich ihnen wenige Monate später, nachts in der Chäslager-Bar, das Angebot, auf dem noch zu gründenden Plattenlabel "No Name"-Records eine "Jolly and the Flytrap"-Single zu produzieren. Ich wollte mit dem Geld, das der Vertrieb abwarf, etwas Vernünftiges machen, und dies schien mir die richtige Idee. Die Engelberger überlegten es sich gründlich. Man macht ja nicht mit irgendeinem Dahergelaufenen eine richtige Platte. Schliesslich sagten sie dann aber zu, gingen ins Studio an der Stanser Schoggikurve und nahmen die sieben wunderbaren Songs für die Doppelsingle "Sepp" auf. "No Name"-Records schien geboren.

Schien. Denn die Kommunikation zwischen Jollys nimmt manchmal seltsame Wege, wie ich in den folgenden Jahren am eigenen Leib erfahren durfte und ab und zu auch heute noch darf. Es war mittlerweile 1991 geworden, und Märt Infanger war am Gestalten des Single-Covers, als er Richi Blatter anrief und von ihm eine letzte Information wollte. Es ging um den Namen "vom Pasci siim Leibl". Richi sagte "No Name", Märt notierte sich "No Man", und die Sache war geritzt. So schnell untergraben Engelberger Jung-Kulturschaffende Name und Lebenswerk zweier Hardcore-Single-Fetischisten.

Sepp am Radio
Nun denn, die Single wurde ein Erfolg, verkaufte sich rasch tausendfach, wurde am Radio gespielt und bescherte der Band auch einen kleinen Gewinn, mit dem sie weiss der Teufel was anzufangen wusste. Und während die Green Day-Platten in meinem Zimmer in Zürich vor sich hin staubten, machten sich die Jollys bereits an ihr nächstes Werk, das wiederum auf dem ja quasi von ihnen selbst gegründeten "No Man"-Label (oder eben "Noman", wie der Künstler Pier Gehring es im Stieren-Logo verewigte) erscheinen sollte. Die Sache nahm ihren Lauf.

Zwischen "Sepp" und der zweiten Single, "Betelgeuze", veröffentlichte ich zusammen mit deutschen Bekannten noch Noman-Records Nummer Zwei, die Profax-Single "Joe", die Abschiedsveröffentlichung dieser Band. Zu gerne hätte ich sie auf "No Name" herausgebracht, aber das war ja nun dank gütiger Mithilfe aus Engelberg nicht mehr möglich. Allzu arg konnte die Verstimmung jedoch nicht gewesen sein, denn die Produktion von "Betelgeuze" (Noman-Records 3) verlief in ebenso angenehmer Zusammenarbeit, wie dies schon bei "Sepp" der Fall gewesen war. Und als die Jollys von der Auflösung von "Profax" erfahren hatten, traten sie an mich heran mit der Frage: "Spielst du nicht Trompete?". Der Rest der Geschichte sollte bekannt sein.

Bedächtig grösser geworden
Inzwischen blickt Noman-Records nicht ohne Stolz auf elf Veröffentlichungen zurück, darunter mehrere Vinyl- und CD-Singles der Jollys, deren neues Album "Global Union Express" und zwei CDs der Engelberger Vorschlaghämmer "V-tamin:Be". Von "No Name" spricht niemand mehr, dafür sind die von Green Day inzwischen Multimillionäre. Und wir von Noman-Records versuchen weiterhin, unser Jolly-Zeugs in einem überschaubaren, freundlichen Rahmen selber zu produzieren und bei Gelegenheit befreundeten Bands mit der Hilfe des Labels zur Seite zu stehen. Aus einem telefonischen Kommunikationsproblem heraus entstanden, ist Noman-Records heute ein Verein mit Sitz in Engelberg, Trägerschaft des Gasthauses Grünenwald und sonst noch so einiges. Und wenn wir heute mit unserem Bandbus durch Täler und über Berge fahren und der Stier vom Noman-Logo stolz über der Frontscheibe prangt, so ist es doch ab und zu wieder schön sich zu erinnern, dass alles einst mit ein paar Singles aus Polen, Japan oder Singapur angefangen hat.

Der Präsident
Pascal Claude, im Herbst 1999